Jahrbuch des Kunstvereins, Titelblattillustration von E. Simminger, 1902-1903 – MNAHA
Wandfliese, entworfen von Jean-Pierre Lanser und aus Steingut hergestellt in den Vereinigten Servais-Werke AG Ehrang, um 1904 – MNAHA, ursprünglich verwendet in Mamer
Entwurf für eine Glasmalerei, gezeichnet von Pierre Linster, 1902 – Sammlung Vitraux d’art Bauer
Entwurf für ein Plakat oder eine Wanddekoration, hergestellt von Corneille Lentz, Tempera auf Leinwand, um 1900 – MNAHA, Schenkung Fondation Schleich-Lentz
Jugendstil in
Luxemburg
Der Jugendstil – ein Name, der Programm war und bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert für die damals neuen Ausdrucksformen im Bereich des Kunsthandwerks, der Architektur und der Kunst verwendet wurde – ist eng verknüpft mit gesellschaftlichen Fragen. Die stilistische Abkehr von dem in Traditionen verhafteten Historismus war verbunden mit einer Aufbruchstimmung, dem Wunsch nach Erneuerung und zugleich mit der Ablehnung des Einflusses der Industrialisierung auf die Kunst und das Kunsthandwerk. Der Art nouveau war ein von innovationsfreudigen Künstlern und Künstlerinnen neu zu kreierender Stil, der von der Natur inspiriert und ein angemessener Ausdruck der eigenen Zeit und ihrer Modernität sein sollte. Durch Schönheit im Alltag und ein Zurückgreifen auf althergebrachtes Kunsthandwerk sollte nicht weniger als eine bessere Welt geschaffen werden.
Inwiefern waren diese Fragestellungen für Luxemburg relevant, einem Land, das sich im 19. Jahrhundert zu einem Industriestaat entwickelt hatte? Spiegelt sich dieser Wandel in der Gesellschaft auch in der Luxemburger Kunst wider? Wurden künstlerischen Entwicklungen aus dem Ausland aufgegriffen? Wer war in dem kleinen Großherzogtum, das erst 1890 mit einer eigenen Dynastie seine vollständige Unabhängigkeit erlangt hatte, federführend in diesen Angelegenheiten? Wie wurden Neuerungen in der Kunst von der Bevölkerung aufgenommen?
Die Zeit des Art nouveau fällt in Luxemburg zusammen mit der Gründung eines Kunstvereins im Jahr 1893, der fortan regelmäßig Salonausstellungen organisierte. Auch die Vergabe eines Kunstpreises, der heute noch bestehende Prix Grand-Duc Adolphe, wurde 1902 vom Cercle artistique ins Leben gerufen. Und die Einrichtung einer staatlichen École d’Artisans im Jahr 1896, an der Künstler und Kunsthandwerker gemeinsam ausgebildet wurden, beflügelte die Luxemburger Kunstszene zusätzlich.
Anhand faszinierender und innovativer Jugendstilwerke vor allem aus dem Bereich der angewandten Kunst, nie öffentlich gezeigter Entwurfszeichnungen und historischer Fotografien wird die Zeit des Art nouveau in Luxemburg in der Ausstellung des Nationalmusée um Fëschmaart erstmals genauer betrachtet. Dabei wird jedoch auch ein Festhalten an Traditionen und eine fortgesetzte Orientierung an künstlerischen Tendenzen aus Deutschland, Frankreich und Belgien deutlich. Der Spagat zwischen der Liebe zur Tradition und der Bereitschaft zum Aufbruch, der um 1900 die Luxemburger Nation auf der fortwährenden Suche nach ihrer Identität prägte, findet somit seinen Widerhall im künstlerischen Ausdruck.
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01
19. März 2026
um 18 UhrEröffnung
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02
20. März bis
18. Oktober 2026Wechselausstellung im Nationalmusée um Fëschmaart
Fotografie des Kunstschmiedeateliers in der Handwierkerschoul, um 1900 – Sammlung M. Galowich
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